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Die Chorprobe

Die Chorleiterin„Bitte nach vorn schauen!“ Die Aufforderung von Dirigentin Martina Breimann-Schlömer übertönt das leise Gemurmel unter den Sängern. Plötzlich ist es still, alle Blicke wenden sich der Chorleiterin zu. Knapp 30 Sänger haben sich zur Probe am Donnerstagabend im Saal der Gaststätte „Planet Wiedenbrück“ eingefunden. Noch einmal gibt sie den einzelnen Stimmen den jeweiligen Ton vor, dann der Einsatz. Gesungen wird „Aus der Traube in die Tonne“ – ein Weinlied und eines der Stücke, die bereits seit Jahrzehnten zum Repertoire der Eintracht zählen. Schon nach einigen Takten unterbricht die Dirigentin: „Das passt vom Tempo her nicht!“ Also: Alles zurück auf Anfang. Beim zweiten Anlauf klappt alles besser. Die letzten Töne sind verklungen, und die Chorleiterin ist zufrieden, jedenfalls zu 99 Prozent: „Hier und da kann man noch etwas feilen, aber an sich war das schon sehr gut!“

Es wird konzentriert geprobt.Auch wenn kein großes Konzert in nächster Zeit geplant sind, steht doch der ein oder andere kleinere Auftritt auf dem Programm: Sei es ein Ständchen bei einem Ehejubiläum, das Singen auf dem Christkindlmarkt oder die musikalische Untermalung der Feierstunde zum Volkstrauertag.

So stehen auch die „Eintracht-Evergreens“ immer wieder einmal auf dem Probenplan. Gerade bei Stücken, die schon seit Jahren gesungen werden, schleichen sich immer einmal wieder kleinere Fehler oder Ungenauigkeiten ein. Sie sind umso schwieriger auszumerzen, je länger ein Stück schon gesungen wird. Das Argument der altgedienten Aktiven „Das haben wir schon immer so gesungen!“ kennt wohl jeder Chorleiter.

Neben der klassischen Männerchor-Literatur bemüht sich die Eintracht auch immer wieder darum, neue Stücke ins Repertoire zu nehmen – und das mit Erfolg: Beim Konzert vor gut zwei Jahren gemeinsam mit dem Westag-Spielmannszug standen auch das „Wasser vun Kölle“ und „The Lion sleeps tonight“ auf dem Programm. Die modernen Stücke kamen beim Publikum gut an und auch die Sänger hatten ihren Spaß mit diesen für sie im erste Moment ungewohnten Liedern. Dabei weiß Martina Breimann-Schlömer, dass gerade diese modernen populären „Hits“ eine ganze Menge Arbeit für den Chor bedeuten: „Das Publikum kennt diese Lieder aus dem Radio in perfekter professioneller Umsetzung.“ Da müsse sich ein Männerchor wie die Eintracht schon ganz schön „ranhalten“. Entsprechend intensiv müssen solche Stücke wie das „Wasser vun Kölle“, das ja auch noch in Mundart gesungen wird, geprobt werden.

StimmprobeBei allem Engagement artet die Probe dabei aber nie in Arbeit aus: Der Spaß am gemeinsamen Gesang steht im Mittelpunkt und bildet den geselligen Rahmen aller Aktivitäten. Selbst wenn es einmal nicht „hinhaut“, und die Töne „danebenliegen“, ist das kein Beinbruch. Niemand wird für einen musikalischen Patzer von der Chorleiterin zur Rechenschaft gezogen, auch muss kein Sänger „solo“ vorsingen. Neue Sänger müssen ebenfalls kein Vorsingen absolvieren, wenn es darum geht, zu welcher Stimme sie gehören sollen. Musikalische Vorkenntnisse sind ebenso wenig nötig. Die Fähigkeit, „vom Blatt“ singen zu können, wird selbstverständlich nicht verlangt. „Die Hauptsache ist es, den nötigen Spaß an der Musik zu haben“, bringt der Vorsitzende Jürgen Fortmann es auf den Punkt. Willkommen sei jeder, der Freude am Singen habe. „Wir wollen niemand überfordern“, fügt Martina Breimann-Schlömer hinzu. Die gesanglichen Fähigkeiten verbessern sich von Probe zu Probe, weiß die Chorleiterin und Musiklehrerin. Es gebe kaum einen Menschen, der nicht singen könne: „Man kann grundsätzlich fast alles lernen, und das Singen gehört ganz bestimmt dazu.“

Nach einer knappen Stunde folgt eine durchaus willkommene Unterbrechung. Die Frage des Vorsitzenden „Wer trinkt Wasser, wer Flieger?“ wird kurz und knapp per Handzeichen beantwortet. Kurze Zeit später werden zwei Tabletts in den Saal gebracht, schnell sind die Getränke verteilt. Der Vorsitzende Jürgen Fortmann erklärt kurz, wem die Runde zu verdanken ist – meistens handelt es sich um ein „Geburtstagskind“. Dann stellt Karl-Günther Breimann aus dem 1. Tenor die musikalische Frage „Was ist er?“, die von den Sängern stimmgewaltig beantwortet wird: „Er ist ein wackerer Kumpan, wir stoßen freudig mit ihm an!“ Nach einem kühlen Schluck geht die Probenarbeit weiter. Noch einmal kurz unterbrochen von einem Lied, das sich der „edle Spender“ wünschen darf.

Danach wird die Probe wieder aufgenommen. Bis etwa neun Uhr singen die Eintrachtler weiter. Manches klappt auf Anhieb, anderes erfordert einiges an Feinarbeit in den einzelnen Stimmen. Das kann – je nachdem wie stark 1. und 2. Tenor sowie 1. und 2. Bass besetzt sind – auch schon einmal etwas anstrengender werden, besonders dann, wenn „starke Sänger“ bei der Probe fehlen. Doch selbstverständlich nimmt die Chorleiterin auf solche personellen Engpässe Rücksicht.

Um kurz nach Neun ist die Probe beendet: „Ich denke, es ist genug für heute“, stellt Martina Breimann-Schlömer fest. Bis sich der Saal endgültig leert, wird es noch eine Zeitlang dauern. Vorher müssen die Stühle zurück gestellt werden, die Noten müssen wieder in den Schrank und einige Absprachen sind auch noch zu treffen. Und wenn das Licht im Saal erloschen ist, ist vielleicht noch Zeit für ein Bier vorn an der Theke bei Vereinswirt „Jonny“.

Neue Sänger sind jederzeit willkommen! Geprobt wird jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr im Vereinslokal „Planet“ an der Wasserstraße in Wiedenbrück. Zuschauen und –hören verpflichten zu nichts!

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21.801 Kommentare

  1. 1
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